Para-Schneesport WM: 4 x Gold für Forster

Jetzt Luft holen für Peking

Die Para-Schneesport WM ging am gestrigen Sonntag in Lillehammer zu Ende. Die Bilanz aus badischer Sicht lässt die Trainer vorsichtig optimistisch nach Peking schauen. Sie warnen aber auch vor einer zu hohen Erwartungshaltung.

Para Ski alpin

Vier WM-Titel in fünf Rennen: Monoskifahrerin Anna-Lena Forster aus Radolfzell war eines der Gesichter der ersten zusammengelegten Weltmeisterschaft der Sportarten Para Ski alpin, Para Ski nordisch und Para Snowboard. In der Abfahrt, im Super-G, in der Super-Kombination und im Slalom war die 26-Jährige nicht zu schlagen, im Riesenslalom stoppte sie nur das fünftletzte Tor, an dem sie weit in Führung liegend hängen blieb und stürzte.

Mit Blick auf die Paralympics, die vom 4.-13. März in Peking stattfinden, betonte Forster trotz ihres größten Erfolges stets, dass ihre Hauptkonkurrenz bei der WM fehlte. Die Japanerin Momoka Muraoka hatte die Reise nach Norwegen pandemiebedingt nicht angetreten – ebenso wie das gesamte Team des Paralympics-Gastgebers China, auch von dort erwartet Forster starke Gegnerinnen. Sportartenübergreifend ist zu erwarten, dass chinesische Athletinnen und Athleten bei den Spielen stark abschneiden werden, auch das ein Grund, warum die WM-Ergebnisse nicht überbewertet werden sollten. Und doch gab es aus deutscher Sicht auch abgesehen von Forster einige Momente und Leistungen, die Mut machen.

Para Ski Nordisch

Die Stuttgarterin Anja Wicker zeigte im Para Skilanglauf und im Para Biathlon, dass sie läuferisch bereits in Paralympics-Form ist. Nach der für sie selbst überraschenden Bronze-Medaille im Langlauf über die Mitteldistanz gewann sie im Biathlon-Sprint Gold. Sie zählt in Peking zu den Medaillenkandidatinnen.

Martin Fleig vom Ring der Körperbehinderten Freiburg bekam zu spüren, wie eng es in seiner Konkurrenz in der Weltspitze zugeht. Der Paralympicssieger im Biathlon über 15 Kilometer von Pyeongchang 2018 blieb ohne WM-Medaille, ist aber nicht weit von den Podestplätzen entfernt. „In Peking muss für ihn alles passen, damit es für eine Medaille reicht“, sagte Bundestrainer Rombach. Ein Lob gab es von ihm für den Nachwuchs: Die WM-Debütantinnen Kazmaier, Walter (SC St. Peter, Guide: Pirmin Strecker)und Menje (Stadt-Turnverein Singen) zeigten, dass bald noch mehr mit ihnen zu rechnen ist. Auch der 22-jährige Marco Maier vom SV Kirchzarten hat bei den Männern stehend einen Schritt nach vorne getan.

Siebeneinhalb Sekunden fehlten dem deutschen Quartett, alle aus dem Badischen Landesverband kommend, in der offenen Staffel am Sonntag für die erhoffte Medaille. Siebeneinhalb Sekunden, die Nico Messinger (mit Guide Robin Wunderle), Alexander Ehler, Martin Fleig und Marco Maier hinter der Staffel von Gastgeberland Norwegen lagen. Die Para Skilangläufer aus dem Breisgau waren beim Sieg des Russian Paralympic Committees vor Frankreich und eben Norwegen zunächst noch knapp hinter den USA und Belarus als Sechste ins Ziel gekommen und aufgrund von Wechselfehlern der Konkurrenz vorgerückt. Für mehr als Platz vier reichte es jedoch nicht. „Wir haben bewiesen, dass wir mitmischen können. Wir sind gut aufgestellt“, stellte der starke Schlussläufer Marco Maier fest.

Realistisch Richtung Paralympics

Heute kehren die letzten zurückreisenden deutschen Athletinnen und Athleten aus Norwegen heim. Dann heißt es für die meisten erstmal: durchatmen und Kopf freikriegen.  Doch bis zu den Paralympics im März steht für das alpine Team noch der Weltcup im schwedischen Åre an, im Para Ski nordisch der Weltcup in Östersund. Dort sind unter anderem Marco Maier und Nico Messinger (mit Guide Robin Wunderle) dabei.
Das gesamte Para Ski nordisch-Team kommt am 6. Februar im italienischen Livigno wieder zusammen – zu einem zweiwöchigen Trainingslager, in dem die Deutschen den letzten Schliff holen wollen.

Insgesamt bleibt von der WM der Eindruck, dass mit einem Ergebnis wie 2018 bei den Paralympics im südkoreanischen PyeongChang, wo Deutschland sieben Gold-, acht Silber- und vier Bronzemedaillen holte, kaum zu rechnen ist. Am 28. Januar gibt der Deutsche Behindertensportverband sein Aufgebot für die Paralympics bekannt.  Am 25. Februar fliegt das Team geschlossen zu den Spielen nach China.

Quelle: Ben Schieler / Nordic Paraski Team / DBS

Nico Messinger mit Guide Robin Wunderle - Foto: Ralf Kuckuck / DBS

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