In die Vorfreude mischt sich Kritik
Nach dem Heimweltcup ist vor dem Heimweltcup: die deutsche Nationalmannschaft im Para Ski nordisch will in Finsterau im Bayerischen Wald an die Erfolge der vergangenen Woche am Notschrei anknüpfen. Drei Para Skilanglauf-Einzelrennen und zwei Staffel-Wettkämpfe stehen bis Sonntag auf dem Programm. Für Unverständnis sorgt die Rückkehr von Russland und Belarus ins Weltcup-Geschehen.
Wer den deutschen Bundestrainer Ralf Rombach auf Finsterau anspricht, kann sicher sein, nur lobende Worte zu hören. Mehrfach war er in der Vergangenheit für Para Ski nordisch-Wettkämpfe dort, 2017 etwa zur Weltmeisterschaft und zuletzt 2020 für einen Weltcup. Rombach schwärmt von der „Herzlichkeit des Bayerischen Waldes“, von der familiären Atmosphäre und dem großen Engagement aller Beteiligten, von der „schnuckeligen Anlage“ – und vom Büffet mit hausgemachten Kuchen. „Allein das ist schon eine Reise wert“, sagt er schmunzelnd.
Allein für den Kuchen ist der Bundestrainer und seine Entourage freilich nicht nach Finsterau gereist, sondern für den Heimweltcup – den zweiten in Folge nach dem der Internationalen Biathlon-Union (IBU) in der vergangenen Woche am Notschrei im Südschwarzwald. Fünf Siege und acht weitere Platzierungen auf dem Podium gab es für die deutsche Nationalmannschaft dort. Nun lädt die Fédération Internationale de Ski (FIS) zum Para Skilanglauf-Weltcup ein, der von Mittwoch bis Sonntag vier Rennen bereithält. Bis auf den beruflich verhinderten Steffen Lehmker (WSV Clausthal-Zellerfeld) sind aus dem deutschen Team alle Aktiven vom Notschrei wieder dabei – Theo Bold inklusive, der nach einer Zwangspause wegen Problemen am Handgelenk in Finsterau neu angreifen will. Hinzu kommen in Merle Menje (StTV Singen), Kathrin Marchand (SC Bayer Leverkusen), Sebastian Marburger (SK Wunderthausen) und Max Weidner (WSV-DJK Rastbüchl) vier reine Langlauf-Spezialkräfte und im 15-jährigen Debütanten Johannes Rank (WSV Trusetal) ein spannendes Nachwuchstalent; Rank ist der erste Para Athlet am Sportgymnasium Oberhof. Rombachs Mannschaft für Finsterau umfasst demnach stolze sieben Athletinnen, neun Athleten und sieben Guides.
Heimspiel für Max Weidner
Besonders hoch ist die Motivation bei Max Weidner. Der 36-Jährige vom WSV-DJK Rastbüchl ist ein Kind des Bayerischen Waldes, sein Wohnort Neureichenau gehört wie Finsterau zum Landkreis Freyung-Grafenau. Viele Bekannte und Freunde haben angekündigt, ihn an der Strecke unterstützen zu wollen. „Mich freut es riesig, welch positiven Anklang dieser Weltcup in der Region findet. Das spricht für sich“, sagt Weidner, für den es sportlich um einiges geht. Er will im März zu den Paralympics nach Val di Fiemme und im besten Fall auf seinen Trainingsloipen die Qualifikationsnorm schaffen.
Das allerdings dürfte alles andere als ein Spaziergang werden – für ihn nicht und auch für einige andere im Team, die das Ticket für Italien noch nicht sicher haben. Gefordert ist, ein Weltcup-Rennen mit maximal fünf Prozent Zeitrückstand auf den Drittplatzierten zu beenden. Und die Konkurrenz ist gewaltig. Mehr als 200 Athletinnen und Athleten aus 27 Nationen haben gemeldet. Es ist vom größten Teilnehmerfeld aller Zeiten bei einem Para Ski nordisch-Weltcup die Rede.
Infolge eines Urteils des Internationalen Sportgerichtshofs CAS sind erstmals wieder Russland und Belarus vertreten. Innerhalb des Deutschen Behindertensportverbands (DBS) sorgt das für deutliche Kritik. „Wir haben das zu akzeptieren, es widerspricht jedoch unserer moralisch-ethischen Grundhaltung, unseren sportlichen Wertvorstellungen – und ist aus unserer Sicht insbesondere für die Teilnehmenden aus der Ukraine unzumutbar“, sagt der neue DBS-Vorstand Idriss Gonschinska. Der DBS-Präsident Hans-Jörg Michels ergänzt: „Seit dem Beginn des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskriegs im Februar 2022 hat sich nichts geändert. Es war ein eklatanter Bruch des ungeschriebenen Gesetzes des bisher weltweit geachteten olympischen und paralympischen Friedens.“ Hinzu kommen für Michels „Zweifel an der Transparenz der Klassifizierung sowie an der Verlässlichkeit der Dopingkontrollen in den vergangenen Jahren, zumal Russland bereits vor dem Ausschluss durch systematisches Doping auffällig wurde“. Der DBS-Präsident betont: „Ein nachprüfbar fairer und dopingfreier Sport ist für uns unverzichtbar.“
Das deutsche Aufgebot für Finsterau (Name, Alter, Geburtsort, Verein):
Frauen mit Sehbehinderung: Linn Kazmaier (19 / Nürtingen / SZ Römerstein, Guide: Florian Baumann / 24 / Nürtingen / SZ Uhingen), Johanna Recktenwald (24 / St. Wendel / Biathlon-Team Saarland, Guide: Emily Weiß / 22 / Freiburg / SV Kirchzarten), Leonie Walter (21 / Freiburg / SC St. Peter, Guide: Christian Krasman / 24 / Stühlingen / Ski-Club Schönwald)
Frauen sitzend: Andrea Eskau (54 / Apolda / USC Magdeburg), Merle Menje (21 / Mainz / StTV Singen), Anja Wicker (34 / Stuttgart / MTV Stuttgart)
Frauen stehend: Kathrin Marchand (35 / Köln / SC Bayer Leverkusen)
Männer mit Sehbehinderung: Theo Bold (19 / Velbert / WSV Isny, Guide: Jakob Bold / 21 / Essen / WSV Isny), Nico Messinger (31 / Freiburg / Ring der Körperbehinderten Freiburg, Guide: Robin Wunderle / 27 / Freiburg / SC Todtnau), Johannes Rank (15 / Schmalkalden / WSV Trusetal, Guide: Adrian Schuler / 29 / Titisee-Neustadt / SG Schluchsee); Lennart Volkert (22 / Berlin / PSV München, Guide: Nils Kolb / 23 / Freiburg / SV Kirchzarten)
Männer stehend: Alexander Ehler (56 / Leninogorsk (KAZ) / SV Kirchzarten), Max Long (19 / Rottweil / SV Kirchzarten), Marco Maier (26 / Oberstdorf / SV Kirchzarten), Sebastian Marburger (28 / Frankenberg (Eder) / SK Wunderthausen); Max Weidner (36 / Passau / WSV-DJK Rastbüchl)
Der Zeitplan für Finsterau:
Mittwoch, 14. Januar, ab 10 Uhr: 10 km Einzelstart, freie Technik
Donnerstag, 15. Januar, ab 10 Uhr: 10 km Massenstart, freie Technik
Samstag, 17. Januar, ab 10 Uhr: Klassik-Sprint
Sonntag, 18. Januar, ab 10 Uhr: Staffel-Wettbewerbe (offene Staffel und Mixed)
Weitere Informationen:
https://www.nordski.de
https://www.fis-ski.com/para-cross-country
https://www.weltcup-finsterau.com
Quelle: Nordic Paraski Team Deutschland